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Häufiges Sitzen erhöht das Krebsrisiko

Große Metaanalyse zu den negativen Effekten eines inaktiven Lebensstils

REGENSBURG – Ob vor dem Fernseher, am PC oder im Auto- moderner Lebensstil heißt viel sitzen. Diese Gewohnheit lockt offenbar bösartige Erkrankungen herbei.
Nach einer Metaanalyse von Präventivmedizinern der Universität Regensburg steigt mit jeder Zweistundendosis täglichen Sitzens die Wahrscheinlichkeit für Darmkrebs um 8%, für Gebärmutterhalskrebs um 10% und für Lungenkrebs um 6%. Ausgewertet hatte man 43 Beobachtungsstudien mit vier Millionen Teilnehmern, von denen knapp 70 000 an Krebs erkrankt waren. Interessante Nebenbefunde: Der negative Effekt des „sedentary lifestyle“ betrifft Menschen, die viel Zeit vor dem Fernseher verbrachten, besonders stark- eventuell wegen des gleichzeitigen Konsums von Junkfood und zuckerhaltigen Getränken. Der Zusammenhang zu Darm- und Gebärmutterschleimhautkrebs trat hier am deutlichsten zutage. Zum anderen scheint körperliche Aktivität die „Rumhock-Schäden“ nicht unbedingt fernzuhalten- auch ansonsten sportliche Studienteilnehmer waren vom Malignomrisiko durch Vielsitzen betroffen.
aus: Medical Tribune,8.8.2014
D.Schmid et al., Journal of The National Cancer Institute 2014; online first 

1 Joint/Woche zu viel fürs Gehirn

WASHiNGTON – Auch Personen, die nur gelegentlich kiffen, müssen mit Hirnveränderungen rechnen. Dies fanden Forscher der Harvard University jetzt in einer Kernspinstudie heraus.
Die Wissenschaftler verglichen die zerebralen MRT- Aufnahmen von 20 Personen, die laut Selbstauskunft mindestens einmal in der Woche einen Joint rauchten, mit denen von Cannabis-Abstinenten. Dabei zeigte sich, dass schon die nachweislich nicht süchtigen Freizeitkiffer deutliche Veränderungen in Nucleus acumbens und Amygdala aufwiesen- zwei Hirnregionen, die u.a. bei der Verarbeitung von Emotionen eine zentrale Rolle spielen. Und derartige Veränderungen verstärken sich mit zunehmendem Drogenkonsum.

Jodi Gilman et al., Journal of Neuroscience 2014; online first
aus: Medical Tribune, 2.5.2014

Passivrauchen lässt Gefäße altern

HOBART – Kinder, die mit zwei rauchenden Eltern aufwachsen, büßen dafür mit irreversiblen Gefäßschäden. Zu diesem Schluss kommt ein Forscherteam aufgrund der Analyse zweier Kohorten aus Australien und Finnland, deren Teilnehmer zu Beginn zwische 3 und 18 Jahren zählten. Sobald die Kinder das Erwachsenenalter erreichten, wurde die Intima-media-Dicke (IMT) der Karotis gemessen. Dabei zeigte sich eine klare Abhängigkeit vom elterlichen Rauchstatus: Wenn Vater und Mutter qualmten, war die kindliche Karotis-IMT um 0,015 mm dicker als bei Kindern nicht rauchender Eltern. Durch die „Doppelbelastung“ altern die Gefäßwände drei Jahre schneller, so die Autoren.

Seana Gall et al., European Heart Journal 2014; online first
(aus: Medical Tribune, 21.3.2014)

Fröhliche Menschen bleiben länger fit

LONDON – Anstatt griesgrämig in die Welt zu blicken, sollten Ältere lieber gut gelaunt durch den Tag gehen. Dann leiden sie auch weniger unter körperlichen Beschwerden- sagt eine britische Studie.
In einer Beobachtungsstudie hat man 3199 Männer und Frauen über 60 Jahre zu ihrer allgemeinen Lebenseinstellung befragt. Mit einer Vier-Punkte-Skala beurteilten sie die Sätze: Ich genieße die Dinge, die ich tue. Ich bin gerne in Gesellschaft von anderen. Insgesamt empfinde ich Freude, wenn ich an mein bisheriges Leben denke. Ich fühle mich zurzeit voller Energie. Es zeigte sich, dass Menschen mit einer positiven Lebenseinstellung bei Aktivitäten des täglichen Lebens wie Aufstehen, Anziehen oder Duschen besser abschnitten als schlecht gelaunte Personen. Auch hatten Erstere eine höhere Ganggeschwindigkeit, was als Maß für die körperliche Fitness im Alter gilt.Erwartungsgemäß beeinflussten chronische Erkrankungen wie Herzleiden, Diabetes, Arthritis, Schlaganfall oder Depressionen die Laune der Patienten negativ. Personen mit positiver Lebenseinstellung waren im Mittel häufig jünger, gebildet, verheiratet und berufstätig. Aber die gute Laune ist durchaus nicht allein dadurch zu erklären. Denn auch wenn man diese Einflussfaktoren herausrechnete, blieb die Assoziation zwischen positiver Lebenseinstellung und körperlicher Fitness erhalten.
Andrew Steptoe et al., CMAJ 2014; online first doi:10.1503/cmaj.131155;         aus :Medical Tribune 14.3.2014

Länger leben mit pflanzlichen Proteinen

ATLANTA – Chronische Nierenkranke sollten ihren Proteinbedarf vermehrt „pflanzlich“ decken, fordern US-Forscher aufgrund einer Studie mit mehr als 1000 nierenkranken Teilnehmern des National Health and Nutrition Examination Syrvey 3 (1988-1994). Je mehr pflanzliche Eiweiße ein Proband verzehrte, desto geringer war sein Risiko, bis 2006 zu versterben. Die Studienautoren vermuten, dass beim Abbau von vegetabilem Eiweiß im Vergleich zu tierischem weniger Proteine entstehen, die im Körper kumulieren.

aus: Medical Tribune, 6.12.2013

Beim Sport sind Eltern noch Vorbild

Berlin – Kinder von sportlich aktiven Eltern bewegen sich selbst mehr und sind fitter. Das ergab kürzlich eine Studie aus Kiel.

In der „Kieler Kinder EX.PRESS.STUDIE“ haben Sportwissenschaftler 532 Jugendliche im Alter zwischen 12 und 17 Jahren untersucht. Gemessen wurden Blutdruck ( in Ruhe und unter ergometrischer Belastung mit 1,5 W/kg Körpergewicht), Body-Mass-Index, Taillenumfang, körperliche Aktivität sowie der Fitnesszustand der Probanden. Die Eltern befragte man nach ihren sportlichen Aktivitäten. 66% der Mütter und 61% der Väter gaben an, in der Freizeit Sport zu treiben. Deren Kinder waren signifikant häufiger selbst körperlich aktiv und Mitglieder in Sportvereinen. Außerdem fanden sich bei allen anderen Parametern deutliche Unterschiede zu ihren Gunsten. Auch der Blutdruck schien zu profitieren: Unter Belastung -nicht in Ruhe- wiesen die Nachkommen sportlicher Eltern einen im Schnitt um 6 mmHG niedrigeren systolischen Wert auf. Das Elternhaus scheint also durchaus geeignet zu sein, um Kinder zu gesundheitsbewusstem Verhalten zu motivieren. Lebensstil-modifizierende Maßnahmen sollten daher aus Sicht der ganzen Familie erfolgen, so das Fazit der Studienautoren CLAUDIA HACKE und PROFESSOR DR. BURKHARD WEISSER vom Institut für Sportwissenschaft und -medizin Kiel.

aus: Medical Tribune, 25.1.2013

Rauchverbot senkt die Infarktrate

ROCHESTER – Ein striktes Rauchverbot am Arbeitsplatz sowie in Restaurants und Bars senkt bereits kurz nach der Einführung die Myokardinfarktrate. Dieser positive Effekt wurde jetzt im Rahmen des Rochester-Epidemiologie-Projekts erneut bestätigt. 2007 hatte man in Olmsted County, der Heimat der Kohorte, den Tabakgenuss auf der Arbeit untersagt- mit dem Erfolg, dass die Zahl der Herzinfarkte in den 18 Monaten danach im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum davor um 33% zurückging, ein signifikanter Unterschied. im Trend verringerten sich auch die Fälle von plötzlichem Herztod (um 17%), schreiben Kollegen von der Mayo Clinic in Rochester.
Richard D. Hurt et al., Arch Intern med 2012

aus: Medical Tribune, 9.11.2012

Neues Argument für mehr Bewegung – Sportler ertragen Schmerzen leichter als Couchpotatoes

Heidelberg- Menschen, die viel Sport treiben, entwickeln offenbar eine höhere Schmerztoleranz. Das ergab eine deutsche Studie.
Kollegen der Universität Heidelberg werteten die Daten von 15 Studien mit 568 Sportlern und 331 normal aktiven Kontrollpersonen aus. Alle Athleten trainierten mindestens sechs Stunden pro Woche. Das Schmerzempfinden wurde z.B. durch das Eintauchen der Hand in kaltes Wasser oder durch das Einklemmen eines Fingers geprüft. Die Schmerztoleranz war zwar bei allen Sportlern unterschiedlich ausgeprägt, lag aber insgesamt deutlich höher als bei den Kontrollpersonen.Die größte Schmerztoleranz wiesen Ballsportler auf, gefolgt von Ausdauer- und Kraftsportlern. Die Schmerzempfindlichkeit von Ballsportlern entsprach der von Menschen, die ein gängiges Analgetikum eingenommen hatten. Sportler merken also Schmerzen genau wie jeder andere, scheinen aber eine andere Einstellung dazu zu haben, schreiben die Forscher.

Jonas Tesarz et al.,PAIN 2012:online first   aus:Medical Tribune 22.6.2012

Rauchen und Übergewicht können Rheuma entfachen

Der Nachweis rheumaspezifischer Autoantikörper im Serum zeigt zwar ein erhöhtes Risiko für eine Rheumatoide Arthritis (RA) an, doch nur bei wenigen Patienten bricht die entzündliche Gelenkerkrankung tatsächlich aus. Ärzte der Universitätsklinik Amsterdam haben jetzt herausgefunden, dass der individuelle Lebensstil die Erkrankungswahrscheinlichkeit beeinflusst. An der kleinen prospektiven Studie beteiligten sich 55 Patienten, die positiv auf IgM-Rheumafaktoren (IgM-RF) und/oder Antikörper gegen citrullinierte Proteine (APCA) getestet worden waren, aber trotz gründlicher Untersuchung zunächst keine Zeichen einer Gelenkentzündung aufwiesen. 15 (27%) entwickelten binnen 13 Monaten eine Arthritis, die bei 14 Patienten die RA-Kriterien der europäischen Rheumaliga erfüllte. Mit 43% bzw. 38% war der Anteil der RA-Patienten unter den Rauchern respektive Ex-Rauchern signifikant höher als unter Nie-Rauchern (5%). Aktive oder Ex-Raucher trugen damit ein 9,6-fach erhöhtes Arthritisrisiko. Als weiterer unabhängiger Risikofaktor erwies sich ein Body-Mass-Index (BMI) von 25 und mehr; er ging mit einem 5,6-fach erhöhten Erkrankungsrisiko einher. Am stärksten gefährdet waren übergewichtige Raucher, die zu 60% binnen 27 Monaten an Arthritis erkrankten; bei normalgewichtigen Nie-Rauchern betrug diese Quote lediglich 2%. Die Autoren schließen daraus, dass Lebensstiländerungen bei Menschen, die RF- und/oder APCA-positiv sind, wichtige Konsequenzen für die Entstehung einer RA haben können. Dies werde auch durch die Ergebnisse einer finnischen Präventionsstudie gestützt: Durch Ernährungsumstellung und Rauchstopp konnte dort die Inzidenz nicht nur von kardiovaskulären Erkrankungen, sondern auch der Rheumatoiden Arthrisis gesenkt werden.

aus: ORTHOPÄDIE UND RHEUMA   2012;15 (6) Seite 9

Warum Sport hilft

Sport ist gesund! Wer Sport treibt, lebt länger! Alles bekannte Sätze. Doch was weniger bekannt ist, ist die Antwort auf die Frage: Warum ist Sport so gesund? Dem Geheimniss sind nun Wissenschaftler näher gekommen. Ein Fazit ihrer Studie: Schon eine kurze sportliche Betätigung verändert gewisse Eigenschaften der Gene in Muskelzellen. Das könnte ein Grund dafür sein, warum Sport Erkrankungen vorbeugt und den Krankheitsverlauf bei Krebs positiv beeinflusst. Bisher nahmen Wissenschaftler an, dass das sogenannte Methylierungsmuster in den Genen bei Erwachsenen recht unveränderlich und stabil gegenüber nur kurzzeitig auftretenden Umwelteinflüssen ist. doch die Studie, jüngst veröffentlicht im Fachmagazin „Cell Metabolism“ unter schwedischer Leitung zeigte nun, dass sportliche Betätigung die DNA in Muskelzellen innerhalb von Minuten beeinflussen kann. Forscher aus Dänemark, Irland und Schweden hatten an 14 jungen und gesunden, aber nicht sportlich aktiven Frauen und Männern untersucht, welchen Einfluss Sport auf bestimmte Gene in Muskelzellen hat. Dazu ließen sie die Personen so lange auf einem Fahrrad-Ergometer mit 80% der Maximalleistung strampeln, bis sie 400 Kilokalorien verbrannt hatten. Das dauerte, je nach Leistungsfähigkeit des Studienteilnehmers, zwischen einer halben und einer Stunde. Die Wissenschaftler entnahmen jedem Probanden 3 kleine Zellproben aus der Seite des Oberschenkelmuskels: Vor dem Training, unmittelbar danach und 3 Stunden nach Trainingsende. In diesen Muskelzellen untersuchten sie bestimmte Gene. Das Ergebnis war überraschend: In den Proben, die sofort und nach 3 Stunden der sportlichen Aktivität der Teilnehmer entnommen wurden, waren die krankmachenden genetischen Verbindungen vermindert! Allerdings ist der Effekt wohl nicht von langer Dauer. Deshalb ist es dringend nötig, sich regelmäßig zu bewegen. Auch wenn es bitter klingt: Täglich ein halbes bis Stündchen wäre perfekt.
Petra Koruhn
aus: WAZ, 21.4.2012